Ein Kind sitzt am Schreibtisch und malt ein Bild. Hochkonzentriert. Jede Linie wird sorgfältig gesetzt. Dann radiert es eine Stelle aus. Plötzlich knüllt es das Blatt zusammen und wirft es in die Ecke.
„Das wird sowieso nie so, wie ich will!“
Viele hochbegabte Kinder haben einen starken inneren Anspruch. Sie sehen sehr genau, wie etwas aussehen oder funktionieren sollte. Und wenn es nicht so gelingt, wie sie es sich vorgestellt haben, stresst sie das enorm.
Stress ist heute für viele Familien ein ständiger Begleiter. Der Alltag ist voll, die Anforderungen hoch – für Kinder genauso wie für Eltern. Genau hier setzt die Arbeit von Ulrike Wolf an. Sie unterstützt Mütter dabei, den Dauerstress im Familienleben zu reduzieren und wieder mehr Leichtigkeit in den Alltag zu bringen.
Eines ihrer liebsten Werkzeuge: Bindungsspiele.
Das sind spielerische Interaktionen, die dazu dienen, die Beziehung zwischen Eltern und Kindern zu stärken und Spannungen abzubauen. Einige Spiele kennst du wahrscheinlich auch schon, weil sie dir dein Kind vorschlägt: Verstecken an den immergleichen Orten, Grenzen austesten mit leichtem Grinsen. Und nun die spannende Frage: Wie reagierst du darauf? Genervtes Augenrollen oder nimmst du die Spieleinladung an?
In diesem Artikel zeigt dir Ulrike, wie du Bindungsspiele im Alltag mit deinem hochbegabten Kind gezielt einsetzen kannst. Damit aus Frust wieder Verbindung entsteht.
Hochbegabte Kinder: Wenn das Gehirn ständig auf Hochtouren läuft
Wenn wir hören, dass ein Kind hochbegabt ist, denken viele von uns zuerst an gute Noten, schnelle Auffassungsgabe oder besondere Talente. Und ja – vieles fällt diesen Kindern tatsächlich leichter. Sie verstehen Zusammenhänge schneller, stellen überraschende Fragen und entwickeln oft schon früh ein großes Interesse an bestimmten Themen.
Viele hochbegabte Kinder denken unglaublich viel nach. Sie analysieren Situationen, stellen Hypothesen auf, zerlegen Probleme in Einzelteile und suchen nach Lösungen. Das kann faszinierend sein und gleichzeitig ganz schön anstrengend.
Stell dir vor, dein Kopf wäre wie ein Computer, auf dem ständig mehrere Programme gleichzeitig laufen.
Ein Programm denkt über die Matheaufgabe nach.
Ein anderes fragt sich, warum Menschen überhaupt arbeiten müssen.
Ein drittes überlegt, ob schwarze Löcher wirklich alles verschlucken. Und wo dieses “alles” dann wieder rauskommt.
Und irgendwo im Hintergrund läuft noch ein Programm namens Perfektionismus.
So oder so ähnlich fühlt sich der Alltag für viele hochbegabte Kinder an.
Während andere Kinder beim Hörspiel hören, Basteln oder Sport abschalten können, arbeitet ihr Gehirn oft weiter. Fragen tauchen auf, Gedankenketten entstehen, Ideen wollen verfolgt werden. Hinzu kommt: Viele hochbegabte Kinder erleben die Welt besonders intensiv.
Sie freuen sich sehr stark.
Sie ärgern sich sehr stark.
Dieses intensive Denken und Fühlen ist kein Problem an sich. Im Gegenteil: Es ist Teil dessen, was hochbegabte Kinder so neugierig, kreativ und ideenreich macht.
Doch all diese Gedanken und Gefühle haben auch eine Kehrseite.
Der unsichtbare Stress im Kopf deines Kindes
Hochbegabte Kinder denken weiter, tiefer und oft auch kritischer über Dinge nach. Sie bemerken Ungereimtheiten. Sie hinterfragen Regeln. Sie registrieren Stimmungen im Raum sehr genau. Dieses intensive Denken und Fühlen kostet viel Energie.
Jedes Gehirn braucht regelmäßig Entlastung, um weiterhin gut funktionieren zu können. Und die Gehirne von hochbegabten Kindern brauchen Entlastung noch viel dringender als “Normalos”. Selbst wenn dein Kind nach außen ruhig wirkt, kann innerlich eine Menge los sein. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem sein Gehirn einfach zu voll ist.
Dann reicht manchmal schon ein winziger Auslöser – ein falsch gerechnetes Ergebnis, ein Geschwisterkind, das nervt, oder eine Aufforderung wie „Räum bitte dein Zimmer auf“. Und plötzlich kommt der Moment, in dem dein Kind scheinbar wegen einer Kleinigkeit explodiert.
Tränen, lautes Schreien, Streit, Rückzug ins eigene Zimmer oder eine komplette Verweigerung. Viele Erwachsene deuten solche Reaktionen als Trotz. Dabei passiert gerade etwas ganz anderes: Dein Kind lässt Druck ab. Es entlädt alles, was sich über Stunden angesammelt hat.
Für diese Entladung haben Kinder drei ganz natürliche Wege:
- Sie weinen,
- Sie wüten,
- Oder sie lachen.
Alle drei Reaktionen helfen dem Körper, angestauten Stress abzubauen.
Das Problem ist nur: Für zwei dieser Stressventile gibt es in unserer Gesellschaft erstaunlich wenig Raum. Traurigkeit und Wut sind Gefühle, die oft unterdrückt werden.
Traurigkeit gilt schnell als unangemessen. Viele Menschen haben das Gefühl, dass man nur dann traurig sein „darf“, wenn etwas wirklich Schlimmes passiert ist. Zum Beispiel wenn jemand gestorben ist.
Und Wut? Die wird ebenfalls kritisch betrachtet. Wer seine Wut offen zeigt, gilt als unkontrolliert und stößt häufig auf Ablehnung. Wenn Wut gesellschaftlich akzeptiert ist, dann höchstens in bestimmten Situationen. Etwa wenn Fußballfans im Stadion rumbrüllen, weil „ihre“ Mannschaft verloren hat.
Auch vielen Eltern fällt der Umgang mit kindlicher Trauer oder Wut schwer. Wenn ein Kind weint oder wütend wird, spüren wir oft sofort den Impuls, dieses Gefühl wegmachen zu wollen. Dann wird getröstet, abgelenkt oder sonstwie versucht die Situation möglichst rasch zu beruhigen.
Doch dadurch entsteht im Alltag häufig ein Problem: Für diese natürliche Form der Entlastung bleibt kaum Raum. Kinder haben dann weniger Gelegenheit, ihren Stress über Weinen oder Wut abzubauen.
Und genau deshalb ist das dritte Ventil – das Lachen – so wertvoll.
Warum Spielen der beste Stressregulator ist
Auf den ersten Blick wirkt das Spielen vielleicht unspektakulär. Doch für das kindliche Nervensystem ist es eine wirksame Möglichkeit, Stress abzubauen.
Beim Spielen müssen Kinder nicht mehr funktionieren.
Sie müssen nichts richtig machen.
Sie müssen kein Problem lösen.
Stattdessen dürfen sie ganz im Moment sein, albern sein und lachen. Du erinnerst dich: Lachen ist das dritte Ventil.
Vielleicht hast du das selbst schon erlebt. Gerade war dein Kind noch wütend oder frustriert und plötzlich bringt ein kleiner Quatschmoment euch beide zum Lachen. Die Stimmung verändert sich. Der Druck ist weg.
Verbindung statt Korrektur
In stressigen Situationen reagieren wir Eltern oft reflexartig:
- Wir erklären.
- Wir korrigieren.
- Wir versuchen zu beruhigen.
Doch für Kinder fühlt sich das nicht immer entlastend an. Was ihnen in solchen Momenten am meisten hilft, ist die Verbindung.
Beim gemeinsamen Spielen entsteht genau diese Verbindung automatisch. Ihr lacht zusammen. Ihr schaut euch an. Ihr reagiert aufeinander. Und diese Verbindung signalisiert dem kindlichen Nervensystem: „Ich bin sicher.“
Sicherheit ist die Voraussetzung dafür, dass Stress überhaupt abgebaut werden kann.
Bindungsspiele: Spielen mit besonderer Wirkung
Eine besonders hilfreiche Form des Spielens sind sogenannte Bindungsspiele. Das Konzept hat die Entwicklungspsychologin Aletha Solter systematisch in ihrem Buch “Spielen schafft Nähe – Nähe löst Konflikte” beschrieben.
Die Bindungsspiele unterscheiden sich in vielen Punkten von klassischen Gesellschaftsspielen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie
- interaktiv sind – ihr spielt miteinander, nicht nebeneinander her.
- Spaß und Lachen bringen – ganz wichtig (das dritte Ventil)!
- keine zusätzlichen Anschaffungen benötigen – du und dein Kind reichen völlig aus (vielleicht wird noch Zubehör, das eh schon da ist, eingebunden).
- keine Gewinner oder Verlierer kennen – es geht um Verbindung, nicht um Wettbewerb.
- keine starren Regeln haben – euer Spiel, eure Spielweise.
Bindungsspiele entstehen oft ganz spontan im Alltag und viele Kinder initiieren sie auch von sich aus. Sie laden die Erwachsenen zum Spielen ein. Es ist an uns, die Einladungen anzunehmen.
Bindungsspiele helfen nicht nur, die Verbindung zu deinem Kind zu stärken und Stress abzubauen. Sie können auch ein Werkzeug sein, um mit Ängsten umzugehen. Kinder verarbeiten ihre Ängste am liebsten spielerisch. So hat beispielsweise das wiederholte Verstecken an den gleichen Orten, an denen du sie immer wieder findest, den Zweck, ihre Trennungsangst zu überwinden. Lässt du dich auf Bindungsspiele ein, kannst du deinem Kind einen sicheren Rahmen bieten, um sich mit seinen Ängsten spielerisch auseinanderzusetzen.
Warum Bindungsspiele gerade hochbegabten Kindern helfen
Bindungsspiele lösen nicht jedes Problem. Sie ersetzen auch keine Förderung oder Unterstützung. Aber sie schenken hochbegabten Kindern etwas, das sie dringend brauchen: Momente der Entlastung.
Sie stoppen das Gedankenkarussell
Hochbegabte Kinder verbringen einen großen Teil ihres Tages im Kopf. Sie denken, analysieren, stellen Fragen und überlegen, wie etwas noch besser gehen könnte. Diese wunderbare Fähigkeit macht es ihnen häufig schwer, einfach abzuschalten. Bindungsspiele helfen ihnen dabei, für einen Moment aus ihrem Gedankenkarussell auszusteigen.
Beim Spielen passiert etwas, das hochbegabten Kindern oft besonders guttut: Sie müssen nicht nachdenken.
Stattdessen dürfen sie einfach:
- lachen
- toben
- Quatsch machen
- Nähe erleben
Der Fokus verschiebt sich vom Denken zum Erleben. Und genau das hilft dem Nervensystem, wieder herunterzufahren.
Sie geben Kontrolle zurück
Viele Kinder erleben ihren Alltag als ziemlich fremdbestimmt. Ihr Tagesablauf wird zu einem sehr großen Teil von Erwachsenen bestimmt. In der Schule wird gesagt, wann gearbeitet wird, wie gearbeitet wird und Lehrpersonen bestimmen, was richtig und was falsch ist. Dazu kommt bei hochbegabten Kindern häufig ein eigener innerer Druck. Viele dieser Kinder haben einen starken Perfektionismus. Sie möchten Dinge richtig machen und ärgern sich besonders stark über Fehler.
Bindungsspiele schaffen hier einen wichtigen Gegenpol.
In vielen dieser Spiele darf dein Kind:
- bestimmen, was passiert
- dich „besiegen“
- Regeln verändern
- dich zum Lachen bringen
Das Gefühl von Kontrolle wirkt unglaublich entlastend.
Sie lösen angestauten Stress durch Lachen
Viele Bindungsspiele sorgen dafür, dass Kinder (und Erwachsene) lachen müssen. Beim Lachen sinken bestimmte Stresshormone, Cortisol und Adrenalin gehen nachweislich zurück (Kramer und Leitao, 2023). Gleichzeitig steigen Dopamin und Serotonin, was die Stimmung stabilisiert und Stress abbaut (Akimbekov und Razzaque, 2021). Nach der initialen Anspannung durch das Lachen entspannen sich die Muskeln wieder.
Das bedeutet: Lachen wirkt wie ein biologisches Reset fürs Nervensystem. Es verschiebt das Gleichgewicht vom sympathischen („Stress-“) zum parasympathischen („Entspannungs-“) Nervensystem. Außerdem stärkt das gemeinsame Lachen die Verbindung zwischen dir und deinem Kind.
Wann Bindungsspiele besonders hilfreich sind
Bindungsspiele müssen nicht geplant werden. Du brauchst keinen festen Termin im Kalender und auch keine besondere Vorbereitung. Oft entstehen sie genau dann, wenn dein Kind sie am meisten braucht.
Es gibt allerdings ein paar Situationen im Alltag, in denen viele Kinder innerlich besonders unter Druck stehen. In diesen Momenten können ein paar Minuten gemeinsames Spielen wahre Wunder wirken.
Nach der Schule
Ein Schultag verlangt Kindern viel ab. Sie müssen zuhören, still sitzen, Aufgaben erledigen und sich an Regeln halten. Dazu kommen soziale Situationen mit anderen Kindern, die ebenfalls Energie kosten. Viele hochbegabte Kinder kommen deshalb mit einem vollen Kopf und einem vollen Gefühlsrucksack nach Hause.
Manche erzählen viel.
Andere ziehen sich zurück.
Und wieder andere reagieren schnell gereizt.
Ein kurzes Spiel direkt nach der Schule kann helfen, diesen inneren Druck abzubauen, bevor er sich an anderer Stelle entlädt.
Vor den Hausaufgaben
Hausaufgaben können für hochbegabte Kinder ein besonderes Spannungsfeld sein. Manche Aufgaben sind ihnen zu leicht und langweilen sie. Andere sind plötzlich schwieriger als erwartet und dabei wollen sie doch alles besonders gut und richtig machen.
Beides kann Stress auslösen.
Ein kurzes Bindungsspiel vor oder während der Hausaufgaben wirkt wie ein Reset-Knopf für das Gehirn. Danach fällt es vielen Kindern leichter, sich wieder zu konzentrieren.
Nach Konflikten
Wenn Kinder streiten oder sich ärgern, geht oft die Verbindung zwischen ihnen und uns Erwachsenen verloren. Manchmal versuchen wir dann, die Situation mit Erklärungen oder Regeln zu lösen. Doch häufig hilft etwas anderes viel schneller: gemeinsam lachen.
Ein kleines Spiel kann die Spannung aus der Situation nehmen und euch wieder miteinander verbinden.
Wenn dein Kind überdreht wirkt
Manchmal sieht Stress bei Kindern nicht nach Müdigkeit aus, sondern nach dem Gegenteil.
- Sie werden laut.
- Sie rennen herum.
- Sie wirken plötzlich sehr unruhig.
Dieses Verhalten wird oft als „überdreht“ beschrieben. In Wirklichkeit versucht das Nervensystem gerade, mit einer großen Menge an innerer Spannung umzugehen.
Ein kurzes Bindungsspiel kann deinem Kind helfen, diese Spannung auf eine spielerische Weise abzubauen. Besonders hilfreich ist es dann, Bewegung in das Spiel zu integrieren, die deinem Kind helfen, sich wieder in seinem Körper zu spüren (eine dramatische Kissenschlacht machen oder Schubkarre fahren – dein Kind ist die Schubkarre, du schiebst).
Drei Bindungsspiele, die bei überhitzten Köpfen besonders gut funktionieren
Hier sind drei Spiele, die sich besonders gut eignen, wenn hochbegabte Kinder gestresst sind.
Machtumkehrspiele: Ein Spiel gegen Ohnmacht
Im Alltag erleben Kinder häufig, dass Erwachsene bestimmen:
„Zieh bitte deine Schuhe an.“
„Setz dich jetzt hin.“
„Räum dein Zimmer auf.“
Bei einem Machtumkehrspiel dreht ihr den Spieß einfach um. Dein Kind ist der Boss und du bist Tollpatsch, Angsthase oder Schwächling.
Zum Beispiel so:
- Dein Kind ist die Lehrperson und du machst ständig etwas falsch.
- Dein Kind ist der starke Ritter und du der schwache Drache, der immer wieder besiegt wird.
- Ihr macht eine Kissenschlacht und du gehst bei jedem Treffer dramatisch zu Boden.
- Du lässt dich von deinem Kind durchs Wohnzimmer schieben, bis du mit dem Rücken an der Wand stehst.
- Du versuchst etwas zu erledigen, aber es klappt nicht und du bettelst dein Kind um Hilfe an.
Kinder lieben diese Spiele. Sie dürfen stark und überlegen sein. Machtumkehrspiele helfen, Gefühle von Frust und Hilflosigkeit abzubauen und stärken ganz nebenbei das Selbstbewusstsein deines Kindes.
Und ganz nebenbei lösen sich dabei oft Frust und angestaute Spannung. Keine Sorge, dein Kind weiß das dieser Rollentausch nur auf Zeit ist.
Nonsensspiele: Zeit für Quatsch
Dieses Spiel ist so simpel, dass viele Eltern gar nicht merken, dass sie bereits mittendrin sind. Es geht darum ganz bewusst Quatsch zu machen:
- Du setzt dir die Hose auf den Kopf.
- Du ziehst die Socken an die Hände.
- Du versuchst, mit einem Löffel aus einer leeren Tasse zu trinken.
- Du behauptest, dass heute Donnerstag ist – obwohl Sonntag ist.
- Du bringst Reime durcheinander.
Dein Kind wird dich wahrscheinlich sofort korrigieren. Und wenn du weiterhin überzeugend falsch liegst, entsteht fast automatisch Gelächter. Du kannst auch dein Kind dazu ermuntern, den Quatsch mitzumachen. Oder du versuchst, dein Kind zu übertrumpfen, wenn es von sich aus anfängt, Quatsch zu machen.
Nonsensspiele leben von Übertreibung und Albernheit. Gerade Kinder, die im Alltag viel denken und funktionieren müssen, genießen diese Momente besonders.
Kontingenzspiele: Wenn dein Kind dich steuern darf
Bei diesem Spiel macht dein Kind etwas und du reagierst auf lustige, vorhersehbare Weise. Du erklärst deinem Kind: „Wenn du meine linke Schulter antippst, mache ich ein trauriges Gesicht. Wenn du meine rechte Schulter antippst, muss ich laut lachen.“ Dann kann dein Kind ausprobieren, welche Reaktion es auslöst.
Ihr könnt das Spiel beliebig erweitern:
- Tippen auf den Kopf → du fällst dramatisch um
- Tippen auf den Arm → du machst ein Tiergeräusch
- Tippen auf den Rücken → du musst tanzen
- Dein Kind sagt ein bestimmtes Wort → du gehst nach links
Für Kinder ist es unglaublich lustig zu erleben, dass sie solche Reaktionen auslösen können. Das Gefühl, etwas bewirken zu können, wirkt für viele Kinder sehr entlastend.
Was beim Spielen wichtig ist
Bindungsspiele sind unkompliziert. Du brauchst kein pädagogisches Konzept. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, auf die du achten solltest, damit das Spielen gut gelingt.
Lass dein Kind die Führung übernehmen
Gerade weil die meisten Kinder ihren Alltag als ziemlich fremdbestimmt erleben, ist es so heilsam, wenn man sie im Spiel das Steuer übernehmen lässt.
Vielleicht möchte dein Kind, dass du der tollpatschige Clown bist.
Vielleicht sollst du immer wieder denselben Fehler machen.
Vielleicht denkt sich dein Kind plötzlich neue Regeln aus.
Versuche in solchen Momenten, einfach mitzugehen. Du musst das Spiel nicht kontrollieren oder verbessern. Dein Kind zeigt dir meistens sehr genau, was es gerade braucht.
Folge dem Lachen
Das Lachen deines Kindes ist ein wunderbarer Kompass. Wenn dein Kind lacht, bedeutet das meistens: Das Spiel tut gerade gut.
Bleibt das Lachen aus oder wirkt dein Kind plötzlich unsicher (e.g. angestrengtes Lachen, ängstlicher Gesichtsausdruck), kannst du das Spiel einfach verändern (weniger übertrieben / erschreckend / wild spielen) oder beenden.
Bindungsspiele funktionieren am besten, wenn sie leicht bleiben. Es geht nicht darum, etwas durchzuziehen oder ein Ziel zu erreichen.
Loslassen
Manchmal geraten wir als Eltern in Versuchung, aus jeder Situation etwas Lehrreiches zu machen. Beim Spielen darfst du diesen Gedanken ruhig einmal beiseite legen. Hier geht es um eure Verbindung. Wenn dein Kind spürt, dass du einfach mit ihm spielst – ohne Erwartungen – entsteht genau die Entlastung, die sein Gehirn gerade braucht.
Fazit: Kluge Köpfe brauchen Spielpausen
Hochbegabte Kinder haben beeindruckende Fähigkeiten. Doch genau das bedeutet auch: Ihr Gehirn läuft häufig auf Hochtouren. Wenn ihr Kopf dauerhaft arbeitet, braucht er irgendwann Entlastung. Genau diese Entlastung können Bindungsspiele bieten.
Sie holen Kinder aus dem Gedankenkarussell heraus.
Sie bringen Bewegung, Lachen und Nähe in den Alltag.
Und sie schaffen Momente, in denen Kinder einfach nur Kind sein dürfen.
Vielleicht kostet es am Anfang ein wenig Überwindung, albern zu sein oder bewusst Fehler zu machen. Das ging mir genauso. Doch wenn du einmal erlebt hast, wie sich ein überhitzter Kinderkopf durch ein paar Minuten gemeinsamen Quatsch wieder entspannt, dann wirst du diese Spiele im Alltag nicht mehr missen wollen.
Autorinnenbox: Ulrike Wolf
Dieser Text wurde von der Gastautorin Ulrike Wolf verfasst. Sie ist Coachin aus Lüneburg und begleitet Mütter dabei, aus dem Dauerstress des Alltags auszusteigen, ihre eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen und echte Verbundenheit im Familienleben zu schaffen. Dabei greift sie auf eigene Erfahrungen als Mutter zweier Kinder, fundierte Coaching-Methoden und ihr Wissen zur Nervensystemregulation zurück.



