IIM im Unterricht: In 7 Schritten ein Thema erforschen

Ein Kind interessiert sich brennend für Vulkane. Ein anderes für schwarze Löcher, Wölfe, Mangas, die Titanic oder die Frage, warum Menschen träumen. Und was machen wir in der Schule oft daraus?
«Mach doch ein Plakat darüber.» Damit verschenken wir ziemlich viel. Viel Kreativität, viel Enthusiasmus, viel Energie…manchmal auch ganz schön viele Chancen auf Schullust.
Denn selbstständiges Forschen bedeutet weit mehr, als Informationen im Internet zu suchen, auszudrucken und auf ein Plakat zu kleben. Kinder müssen lernen, ein Thema einzugrenzen, gute Fragen zu stellen, geeignete Quellen zu finden, Informationen auszuwählen und zu strukturieren und aus ihrem neuen Wissen etwas ganz Eigenes zu entwickeln.
Genau dafür bietet die IIM – Independent Investigation Method, auf Deutsch auch Individuelle Interessenforschungs-Methode, ein erstaunlich einfaches Gerüst.

Die IIM wurde ab 1980 von Cindy Nottage und Virginia Morse in den USA entwickelt. 2001 brachte die Schweizer Primarlehrerin und Begabungsförderungsexpertin Doris Müller-Hostettler die Methode in die Schweiz, übersetzte sie ins Deutsche und etablierte sie ab 2003 mit Kursen und Workshops in der Lehrerbildung und -weiterbildung. Die IIM führt Kinder in sieben klaren Schritten durch einen vollständigen Forschungsprozess. Sie wurde für schulisches Lernen entwickelt und lässt sich sowohl mit einer ganzen Klasse als auch in der Begabungs- und Begabtenförderung einsetzen.

Die sieben Schritte sind:

1. Thema wählen
2. Ziele setzen und Forschungsfragen entwickeln
3. Recherchieren
4. Informationen ordnen
5. Ziele überprüfen
6. Produkt entwickeln
7. Präsentieren

Das Entscheidende dabei: Die Lehrperson gibt keine Antworten vor. Ihre Aufgabe ist es, die Struktur für selbstständiges Lernen zur Verfügung zu stellen.

IIM muss man lernen

Ein häufiger Fehler beim offenen Lernen lautet: «Sucht euch ein Thema aus und arbeitet selbstständig daran.»
Das funktioniert bei einigen wenigen Kindern hervorragend. Die meisten anderen wiederum verbringen drei Lektionen damit, eine schöne Titelseite zu gestalten. Denn selbstständiges Lernen entsteht nicht einfach so dadurch, dass die Lehrperson sich zurückzieht.

Deshalb empfiehlt es sich, die IIM beim ersten Mal stark zu führen. Einzelne Schritte können gemeinsam mit der ganzen Klasse modelliert werden. Später dann übernehmen die Kinder immer mehr Eigenverantwortung für ihren Prozess. Genau diese Kombination aus gemeinsam eingeführten Forschungsfertigkeiten und anschliessender selbstständiger Anwendung gehört zum Konzept der IIM.

Ich selbst arbeite schon seit gut 20 Jahren in der Primarschule mit der 7 Schritte Methode. Allerdings habe ich im Verlauf der letzten Jahre stark angepasst, respektive reduziert. Unser Ziel an der Schule ist es, dass alle Kinder, die nach der 6. Klasse an die Oberstufe wechseln, den Ablauf der 7 Schritte kennen und fähig sind, mit dieser Struktur ein eigenes Projekt zu initiieren, durchzuführen und zu reflektieren.
Bevor ich jedoch näher auf den Aufbau in den Stufen eingehe, zeige ich dir die ersten Schritte auf.

Schritt 1: Ein Thema finden

grüner Schuhabdruck, 1. Schritt "Thema"
1. Schritt der 7-Schritte Methode

Am Anfang steht nicht Google. Am Anfang steht Interesse.
Die Kinder sammeln Themen, über die sie wirklich mehr wissen möchten. Das können Themen aus dem Unterricht sein oder – wenn der Rahmen dies erlaubt – völlig freie Interessengebiete. Das finde ich persönlcih am aller spannendsten.

Hilfreiche Impulse sind:

  • Worüber könntest du lange erzählen?
  • Was wolltest du schon immer genauer wissen?
  • Was erstaunt dich?
  • Welche Frage beschäftigt dich?
  • Wobei vergisst du manchmal die Zeit?
  • Über welches Thema weisst du bereits erstaunlich viel?

Oft nütze ich die Gelegenheit, um den Lernenden zu zeigen, wie ein Brainstorming funktioniert. Ich fordere sie dann auf, alles, was ihnen gerade im Kopf herumpurzelt, auf grosse Blätter zu schreiben. Gemeinsam reduzieren wir dann diese Inhalte auf ein Thema. Ich merke, das gäbe gerade wieder einen ganzen Artikel her…

Es ist abolut zwingend, das gewählte Thema einzugrenzen. «Tiere» ist kein brauchbares Forschungsthema. «Wölfe» dagegen funktioniert schon besser. «Wie verständigen sich Wölfe innerhalb eines Rudels?» eröffnet dann eine echte Untersuchung.

Vorwissen sichtbar machen

Bevor recherchiert wird, halten die Kinder fest:

  • Was weiss ich bereits?
  • Was glaube ich zu wissen?
  • Was möchte ich herausfinden?

Dafür eignen sich beispielsweise Mindmaps, Cluster, Zeichnungen, Stichwortsammlungen oder ein einfaches Forschertagebuch.
Dieser Schritt ist wichtiger, als er aussieht. Erst wenn Vorwissen sichtbar wird, kann ein Kind später erkennen, was es tatsächlich dazugelernt hat.

Schritt 2: Forschungsziele und gute Fragen entwickeln

oranger Schuhabdruck, 2. Schritt "Ziele setzen"
2. Schritt der 7-Schritte Methode

Jetzt kommt einer der wichtigsten Schritte der gesamten Methode. Aus einem interessanten Thema muss eine Forschungsabsicht werden. Statt einfach «alles über Wölfe» herauszufinden, formuliert das Kind einige Fragen, die seine Recherche steuern.

Diese könnten zum Beispiel so lauten:

Thema: Kommunikation bei Wölfen

  • Wie verständigen sich Wölfe durch Laute?
  • Welche Bedeutung hat ihre Körperhaltung?
  • Wie erkennen Wölfe die Stellung eines Tieres im Rudel?
  • Kommunizieren Hunde ähnlich?
  • Was verstehen Menschen bei der Kommunikation von Wölfen häufig falsch?

Hier lohnt es sich eine kleine (Deutsch-)Lektion zum Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Fragen einzuschieben. Ich nenne die geschlossenen Fragen auch „Goalie“-Fragen. Wie ein Torwart, der den Ball abwehrt: Peng! Es gibt nur eine richtige Antwort Eine offene Frage lässt sich mit einem Wort oder einer Zahl beantworten: Wie schwer wird ein Wolf?
Ergiebigere Fragen, ich nenne sieKnochen-Fragen, verlangen Zusammenhänge: Warum unterscheidet sich die Grösse von Wölfen je nach Lebensraum? Wie unsere Schulhündin in ihren Knochen können sich die Kinder in die Fragestellung „verbeissen“.

Gerade für leistungsstarke und hochbegabte Kinder darf man hier anspruchsvoll werden. Statt reiner Wissensfragen sollten auch Fragen nach Ursachen, Zusammenhängen, Veränderungen, Bewertungen und unterschiedlichen Perspektiven vorkommen.

Eine einfache Regel für Kinder:

Deine Forschungsfrage sollte dich zum Denken bringen – nicht nur zum Abschreiben.

Schritt 3: Recherchieren – aber richtig

violetter Schuhabdruck, 3. Schritt "erforschen"
3. Schritt der 7-Schritte Methode

Jetzt beginnt die eigentliche Informationssuche. Und genau hier braucht es Unterricht. Kinder können nicht automatisch recherchieren, nur weil sie Google bedienen können.
Vor der eigentlichen Recherche sollten deshalb einige Mini-Lektionen stattfinden:

  • Wie erkenne ich eine brauchbare Quelle?
  • Wie suche ich mit geeigneten Stichwörtern?
  • Wie finde ich Informationen in einem Sachbuch?
  • Wie unterscheide ich wichtige von unwichtigen Informationen?
  • Wie mache ich Notizen?
  • Wie gebe ich meine Quellen an?
  • Warum darf ich Texte nicht einfach kopieren?

Die Kinder sollten möglichst mehrere unterschiedliche Quellen verwenden:
Sachbücher, Lexika, geeignete Webseiten, Videos, Podcasts, Zeitschriften, Interviews mit Fachpersonen, Museen oder eigene Beobachtungen und Experimente.
Bei jüngeren Kindern können zwei oder drei vorbereitete Quellen völlig genügen. Bei älteren Primarschulkindern gehört die Suche und Beurteilung geeigneter Quellen bereits zum Lernprozess.

Die wichtigste Regel: Notizen statt kopieren

Ein sehr einfacher Trick hilft enorm: Das Kind liest einen kurzen Abschnitt – und schliesst danach das Buch oder minimiert die Webseite. Erst dann notiert es: Was habe ich verstanden? Nicht ganze Sätze abschreiben. Stichwörter, Skizzen, kleine Diagramme und eigene Formulierungen reichen. Damit wird aus Informationsbeschaffung tatsächlich Lernen.
Und ja natürlich: Auch KI kann heute eine Quelle oder ein Recherchewerkzeug sein. Aber sie ersetzt diesen Prozess nicht. Kinder müssen lernen, KI-Antworten zu hinterfragen, Behauptungen mit anderen Quellen zu überprüfen und zwischen einer plausibel klingenden Antwort und belegbarer Information zu unterscheiden. Bei jungen Kindern, ca. bis Ende 3. Klasse würde ich bei Recherche-Arbeiten den Computer aussen vor lassen!

Schritt 4: Informationen ordnen

roter Schuhabdruck, 14 Schritt "ordnen"
4. Schritt der 7-Schritte Methode

Nach einigen Recherchelektionen liegt meistens ein ziemlicher Informationshaufen auf dem Tisch.
Perfekt – jetzt beginnt das eigentliche Denken. Die Kinder sortieren ihre Notizen nach ihren Forschungsfragen oder entwickeln Kategorien.

Beim Wolfsthema könnten beispielsweise diese Bereiche entstehen:

Laute – Körpersprache – Rudel – Vergleich Hund/Wolf – Missverständnisse

Dafür eignen sich Karteikarten besonders gut: Eine Information kommt auf eine Karte und kann anschliessend verschoben, gruppiert und neu zugeordnet werden. Auch Post-its, digitale Pinnwände, Tabellen oder Mindmaps funktionieren.
Bei jüngeren Kindern lasse ich oft drei Fragestellungen auf je ein Blatt oder je eine Heftseite schreiben und alle gefundenen Informationen direkt dort eintragen.

Die zentrale Frage lautet jetzt nicht mehr: Was habe ich gefunden? Sondern: Wie hängen meine Informationen miteinander zusammen?
Das ist ein gewaltiger Unterschied. Hier findet ein grosser Teil der eigentlichen Denkarbeit statt.

Schritt 5: Forschungsziele überprüfen

gelber Schuhabdruck, 1. Schritt "Ziele auswerten"
5. Schritt der 7-Schritte Methode

Dieser Schritt wird bei Projektarbeiten erstaunlich oft übersprungen. Dabe ist es wichtig, dass die Kinder zu ihren ursprünglichen Fragen zurückkehren und verifizieren:

  • Welche Fragen kann ich inzwischen beantworten?
  • Wo fehlen mir noch Informationen?
  • Welche Frage hat sich als uninteressant erwiesen?
  • Welche neuen Fragen sind während meiner Recherche entstanden?

Und dann darf etwas passieren, das in der Schule viel zu selten geschieht:
Der Forschungsplan darf verändert werden.

Vielleicht entdeckt ein Kind während der Arbeit etwas viel Spannenderes als seine ursprüngliche Frage. Dann ist das kein Scheitern, sondern genau das, was bei echter Forschung eben auch geschieht.
Die Lehrperson kann an dieser Stelle ein kurzes Forschungsgespräch führen:
«Zeig mir, was du inzwischen herausgefunden hast.»
«Welche deiner Fragen ist noch offen?»
«Was hat dich am meisten überrascht?»
«Was möchtest du noch genauer wissen?»

Erst danach geht es weiter.

Schritt 6: Ein Produkt entwickeln

blauer Schuhabdruck, 1. Schritt "Produkt"
6. Schritt der 7-Schritte Methode

Jetzt kommt der Punkt, an dem IIM deutlich interessanter werden kann als der klassische Vortrag mit Plakat.
Die Frage lautet jetzt nämlich:
Wie kannst du zeigen, was du verstanden hast?

Das Produkt sollte zum Thema und zu den Erkenntnissen passen. Möglich wären zum Beispiel:

  • ein Modell
  • ein Erklärvideo
  • ein Podcast
  • eine Ausstellung
  • ein Experiment
  • ein Quiz
  • ein Stop-Motion-Film
  • ein Comic
  • eine Infografik
  • ein Spiel
  • ein Lapbook
  • ein Interview
  • eine Broschüre
  • eine Webseite
  • …oder natürlich auch ein Plakat – oder nochmals etwas ganz anderes!

Aber Vorsicht: Ein aufwändig gebasteltes Produkt ist noch kein Beweis für anspruchsvolles Lernen. Deshalb sollte vor der Produktion geklärt werden, welche Erkenntnisse im Produkt sichtbar werden müssen
Bei leistungsstarken Kindern kann man zusätzlich verlangen, dass das Produkt nicht nur Informationen wiedergibt, sondern etwas damit macht: vergleichen, erklären, beurteilen, entwickeln, übertragen oder eine eigene Lösung entwerfen.

Aus «Ich habe etwas über Brücken gelernt» könnte dann beispielsweise werden: Entwirf eine möglichst tragfähige Papierbrücke und begründe ihre Konstruktion mit deinen Forschungsergebnissen. Und damit sind wir jetzt bei echtem Enrichment!

Schritt 7: Präsentieren

pinker Schuhabdruck, 1. Schritt "Präsentation"
7. Schritt der 7-Schritte Methode

Forschung braucht ein Publikum. Das muss nun aber nicht bedeuten, dass 24 Kinder nacheinander zehnminütige Referate halten und der Rest der Klasse langsam verwelkt, denn Präsentationen können ganz unterschiedlich organisiert werden:

  • als Forschermesse
  • Museum
  • Ausstellung
  • Gallery Walk
  • Marktstand
  • Kurzvortrag
  • Podcast-Premiere
  • Expertenrunde
  • oder Präsentation für eine andere Klasse

Besonders motivierend ist natürlich ein echtes Publikum. Warum nicht Eltern einladen? Eine Parallel- oder die Göttiklasse? Fachpersonen? Oder Ergebnisse auf der Schulwebseite veröffentlichen?
Die Kinder erklären dabei nicht nur ihr Produkt, sondern auch ihren Forschungsprozess:

  • Was wollte ich herausfinden?
  • Wie bin ich vorgegangen?
  • Was habe ich entdeckt?
  • Was hat nicht funktioniert?
  • Was hat mich überrascht?
  • Welche neue Frage ist entstanden?

Damit wird die Präsentation zum Abschluss eines Lernprozesses – und nicht zu einer blossen Leistungsschau.

Und wie wird das bewertet?

Bitte fokussiere dich nicht nur auf das Endprodukt. Ein perfektes Modell kann von einem Erwachsenen gebaut worden sein – wobei ich persönlich eigentlich darauf achte, dass die Produkte möglichst in der Schule entstehen. Ein unscheinbares Forschertagebuch kann dagegen mehrere Wochen hoch anspruchsvolles Denken dokumentieren.
Bewertet werden können deshalb mehrere Bereiche:
Forschungsfrage – Recherche – Umgang mit Quellen – Selbstständigkeit – Organisation – fachliche Tiefe – Produkt – Präsentation – Reflexion.
Ich würde ausserdem einzelne Kriterien bereits während des Prozesses rückmelden und nicht erst am Schluss eine Gesamtnote vergeben. Denn IIM ist in erster Linie ein Lernprozess.

IIM in einer heterogenen Klasse

Ich kann verstehen, dass es dir unter Umständen Sorge macht, in deiner buntgemischten Klasse mit der 7 Schritte-Methode zu arbeiten: Genau hier liegt eine ihrer grossen Stärken! Nicht alle Kinder müssen dasselbe Thema bearbeiten. Und vor allem müssen nicht alle auf demselben Niveau forschen. Und trotzdem ist es natürlich entlastend, wenn eine IF-LP, die Klassenassistenz oder eben die BBF-LP mithelfen können.
Ein Kind der 3. Klasse arbeitet vielleicht mit zwei bereitgestellten Sachbüchern und beantwortet drei überschaubare Fragen. Ein anderes recherchiert selbstständig in fünf Quellen, führt ein Interview mit einer Fachperson und entdeckt dabei eine neue Fragestellung. Ein hochbegabtes Kind entwickelt aus seinen Erkenntnissen möglicherweise ein eigenes Experiment oder Modell.
Der Prozess bleibt derselbe. Die Tiefe verändert sich.
Damit eignet sich IIM hervorragend für Differenzierung, altersdurchmischtes Lernen und Begabungs- und Begabtenförderung. Auch in der deutschsprachigen IIM-Fassung von Doris Hofstettler-Müller wird ausdrücklich auf die Eignung für heterogene Klassen, AdL sowie integrative und separative Begabungsförderung hingewiesen.

Was die Lehrperson während IIM eigentlich macht

Auf den ersten Blick sieht IIM nach sehr offenem Unterricht aus. Tatsächlich verändert sich vor allem die Rolle der Lehrperson.
Sie vermittelt Recherchetechniken, hilft beim Eingrenzen von Themen, fordert präzisere Fragen ein, stellt Ressourcen zur Verfügung, beobachtet Arbeitsprozesse, führt kurze Coachinggespräche und greift ein, wenn ein Kind nicht weiterkommt. Wenn die Methode den Kindern aber einmal bekannt ist, liefert sie aber nicht ständig die nächsten Arbeitsschritte. Darum lege ich auch grossen Wert darauf, den Kindern zum Anfang den Ablauf der 7 Schritte bekannt und transparent zu machen.

Das Ziel lautet:
So viel Struktur wie nötig – so viel Eigenständigkeit wie möglich.

Mit jedem weiteren Forschungsprojekt kann das Gerüst etwas zurückgenommen werden. Und irgendwann passiert etwas Spannendes: Kinder brauchen die sieben Schritte nicht mehr als Arbeitsblatt. Sie haben den Forschungsprozess verinnerlicht.

Ein möglicher Ablauf für die Primarschule

Aus meiner Erfahrung schlage ich vor, die 7 Schritte stufenweise aufzubauen. Was im Kindergarten mit einem ganz einfachen „Show an Tell“ und der Auseinandersetzung mit eigenen Interessen beginnen kann, wird in der 1.und 2. Klasse sukzessive ausgebaut. Gute Erfahrungen habe ich damit gemacht, dass sich die Lernenden mit Unterstützung der Lehrperson und evt. auch der Eltern auf ein Thema festlegen. Dazu können sie mit geeigneten Materialien und vielleicht auch einer Fachperson in diesem Gebiet neue Informationen zusammentragen und diese in geeigneter Form präsentieren.
Auf der Stufe der 3./4. Klasse können die 7 Schritte offiziell eingeführt werden. Allerdings würde ich sie der Einfachheit halber auf die ersten drei plus die Schritte sechs und sieben reduzieren. Für viele junge Kinder ist es einfach noch zu komplex, die Informationen zu ordnen und zu bewerten. Es empfiehlt sich auf dieser Stufe wie oben schon beschrieben, vier Blätter für drei Fragestellungen plus „Interessantes“ bereitszustellen, auf die die Lernenden die Informationen direkt notieren, sodass das Ordnen überflüssig wird.
In der 5./6. Klasse können dann der vierte und fünfte Schritt dazugenommen werden.

Vielleicht hast du dir beim Lesen der Beschreibungen der einzelnen Schritte überlegt, wie ich auf die Farben der Schuh-Abdrücke gekommen bin. Nun, die sind nicht meine Erfindung. Ich habe sie aus den IIM-Unterlagen übernommen. Aber in ihrer Klarheit geben sie den Lernenden viel Orienterung und einen gewissen Wiedererkennungswert, wenn über Jahre hinweg damit gearbeitet wird oder sogar ein Schulwechsel stattgefunden hat.

Wer die Schritte Wer IIM zum ersten Mal ausprobieren möchte, muss daraus kein Halbjahresprojekt machen. Ein überschaubarer Einstieg könnte in der Vollversione so aussehen:

Lektion 1: Interessen sammeln, Thema wählen und eingrenzen
Lektion 2: Vorwissen aktivieren und Forschungsfragen entwickeln
Lektionen 3–4: Recherche und Notizen
Lektion 5: Informationen ordnen und Forschungsziele überprüfen
Lektionen 6–7: Produkt entwickeln
Lektion 8: Forschermesse oder Präsentationen

Je nach Stufe werden dann die Lektionen adaptiert.
Dazwischen finden kurze Inputs von fünf bis fünfzehn Minuten statt – beispielsweise zu Suchbegriffen, Quellen, Notiztechniken oder Präsentationen. Danach arbeiten die Kinder weiter.

Ich weiss von Schulen, welche die IIM um einen Schritt erweitert haben: die Reflexion. Obwohl ich die Reflexion aboslut wichtig finde, kann diese auch gut im 7. Schritt eingebaut oder später angehängt werden. Da ist jeder frei. Aber ihren Raum sollte sie auf jeden Fall erhalten, genauso wie die Peer-Rückmeldung, bei denen sich die Kinder strukturiertes Feedback geben.

Warum ich IIM gerade für Begabungsförderung spannend finde

Begabungsförderung bedeutet nicht, einem schnellen Kind einfach mehr Aufgaben zu geben. Es braucht Möglichkeiten für Tiefe, Komplexität und echte Eigenständigkeit. IIM schafft dafür einen Rahmen, ohne dass die Lehrperson für jedes Kind ein eigenes Förderprogramm entwickeln muss.
Ein Kind darf einer Frage wirklich nachgehen. Es muss Entscheidungen treffen. Es begegnet Sackgassen. Es entdeckt neue Fragen. Es muss Informationen beurteilen und sein Wissen neu strukturieren. Und genau darin steckt der eigentliche Wert der Methode. Nicht im schönen Produkt am Ende, sondern darin, dass aus einem Kind, das Informationen konsumiert, zunehmend ein Kind wird, das selbst Fragen stellt, Wissen sucht, prüft, ordnet und daraus etwas Eigenes entwickelt. Das ist weit mehr als eine Projektmethode. Es ist eine ziemlich gute Schule für selbstständiges Denken.

Wenn du dich näher über die 7-Schritte-Methode informieren willst, empfehle ich dir, dich auf der Seite von Doris Müller-Hostettler umzusehen und allenfalls auch einen Kurs bei ihr zu buchen. Die Unterlagen zur IIM kannst du bei ihr auch als Einzel- oder Schulhauslizenz erwerben.

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