Es gibt Jahresmottos, die klingen hübsch, freundlich und motivierend – und es gibt Sätze, die nicht nach Schmuck, sondern nach Haltung klingen. Sätze, die nichts versprechen, nichts beschönigen, nichts dramatisieren.
Ich werde dieses Jahr 60. Im Jahr des Feuerpferdes werde ich (als Feuerpferd) einen neuen Zehnerzyklus beginnen. Unter diesem Aspekt habe ich mir die Motto-Suche nicht einfach gemacht. Etwas Gewichtiges, etwas „Würdiges“ sollte es sein. Aber irgendwie hat sich nichts stimmig angefühlt. Weder Brainstorming noch KI brachten mich wirklich weiter. Bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel: Ich entscheide für mich. Ganz schlicht und einfach. Niemand hat dazu etwas zu sagen, es ist mein Jahr, das ich in 365 Tagen gestalten kann, wie ich möchte. Und ich entscheide für mich. Zu meinem Besten.
Und so heisst mein Jahresmotto 2026 dann auch ganz einfach:
Ich entscheide für mich.
Kein Zusatz.
Kein „um zu“.
Kein „damit“.
Nur dieser eine Satz. Auch wenn es im ersten Moment nicht so klingt, verlangt dieses Jahresmotto Klarheit, Mut und innere Stärke. Und genau darin liegt seine Verheissung. Auch für ein mutiges Feuerpferd.

Entscheidungen treffen – zwischen Erwartungen,
Verantwortung und innerem Kompass
Viele Menschen treffen Entscheidungen nicht nur für sich, sondern für Rollen, Erwartungen, Systeme, Loyalitäten. Besonders wir Eltern, Lehrpersonen und Menschen in pädagogischen Kontexten kennen dieses Spannungsfeld:
- Man will niemanden enttäuschen.
- Man möchte funktionieren.
- Man fühlt Verantwortung.
Und gleichzeitig gibt es diese innere Stimme, die sagt: Das passt nicht (mehr) zu mir.
Diese Spannung ist nicht laut. Sie ist leise – aber konstant, manchmal sogar penetrant.
Sie flüstert in manchen Momenten Sätze wie
- „Eigentlich möchte ich Nein sagen …“
- „Ich spüre, dass das zu viel ist …“
- „Ich weiss, was sich stimmig anfühlen würde …“
Doch oft entscheiden am Ende:
- Pflichtgefühl
- Erwartungsdruck
- Harmoniebedürfnis
- Anpassung
Genau hier setzt mein Jahresmotto an:
Ich entscheide nicht reflexhaft nach aussen.
Ich beginne bewusster nach innen zu hören.
Nicht egoistisch. Nicht trotzig. Sondern mir selbst gegenüber verantwortungsvoll.
„Ich entscheide für mich“ – was der Satz nicht bedeutet
Dieser Satz ist kein Freipass für Egozentrik. Er heisst nicht:
- Ich mache einfach, was mir gefällt.
- Ich stelle mich über andere.
- Ich blende Konsequenzen aus.
Ganz im Gegenteil. „Ich entscheide für mich“ bedeutet:
✨ Ich übernehme Verantwortung für meine Entscheidungen.
✨ Ich handle nicht primär aus Erwartungen heraus.
✨ Ich orientiere mich an innerer Klarheit statt an äusserer Lautstärke.
Es ist ein Satz voller Ruhe – aber nicht ohne Konsequenz.
Denn für sich zu entscheiden heisst oft auch:
- Spannungen auszuhalten
- Grenzen sichtbar zu machen
- nicht allen gefallen zu können
Und genau das macht diesen Satz so mutig.
Entscheidungen für mich –
auch dann, wenn sie unbequem sind
Entscheidungen klingen einfach, solange sie theoretisch bleiben.
In der Praxis aber bedeuten sie oft:
- Nein sagen, wo man früher Ja gesagt hätte
- nicht in Automatismen zurückfallen
- nicht aus Pflichtgefühl in alte Strukturen zurückgehen
- auszuhalten, dass andere irritiert sind
„Ich entscheide für mich“ ist kein sanfter Wohlfühl-Satz.
Er verlangt:
- Reflexion
- Integrität
- Mut zur Konsequenz
- Vertrauen in den eigenen Weg
Er bedeutet:
Ich lasse mich nicht treiben – ich wähle bewusst.
Nicht impulsiv.
Nicht hart.
Sondern klar.
Entscheidungen treffen im Kontext von Hochbegabung,
Schule & Familie
Viele Eltern hochbegabter Kinder stehen regelmässig vor komplexen Entscheidungen:
- Stillhalten oder für Passung einstehen?
- Anpassung oder Klarheit?
- Ruhe bewahren oder Position beziehen?
Und oft prallen dabei Welten aufeinander:
- Systemlogik vs. Kindeswohl
- Erwartungen vs. Intuition
- Druck vs. Stimmigkeit
„Ich entscheide für mich“ heisst in diesem Zusammenhang nicht: „Ich kämpfe gegen das System.“
Sondern:
- Ich bleibe mir treu – auch in anspruchsvollen Situationen.
- Ich entscheide nicht aus Angst oder Anpassung.
- Ich handle aus Überzeugung, nicht aus Rechtfertigung.
Innere Klarheit führt nicht automatisch zu lauten Entscheidungen.
Oft führt sie zu:
- ruhigen Gesprächen
- klaren Grenzen
- respektvollen Haltungen
- bewussten Prioritäten
Und genau diese innere Festigkeit brauchen auch Kinder –
besonders jene, die intensiv, sensibel, schnell oder tief denken.
Ich entscheide für mich –
Schritt für Schritt statt radikalem Umbruch
Dieses Motto ruft nicht nach radikalen Neuanfängen. Es ruft nach bewussten Bewegungen.
Kleine Entscheidungsmomente wie:
- „Das passt zu mir – das nehme ich an.“
- „Das passt nicht – ich lasse es los.“
- „Ich spüre, dass ich eine Pause brauche.“
- „Ich folge meinem inneren Kompass.“
Mit jedem dieser Schritte wird die Haltung klarer. Nicht lauter. Nicht härter. Sondern stimmiger.
Ich entscheide für mich, heisst auch:
- Ich achte meine Grenzen.
- Ich vertraue meiner Wahrnehmung.
- Ich nehme mich selbst ernst.
Und genau darin liegt Würde.
Warum dieses Jahresmotto kein „Spruch“ ist –
sondern ein innerer Prozess
Viele Mottos wirken wie motivierende Sätze.
Dieses nicht. Denn dieser Satz verändert die Richtung, nicht den Ton.
Er lädt ein zu:
- mehr Selbstverantwortung
- mehr innerer Ruhe
- mehr Klarheit in Entscheidungen
- weniger Getrieben-Sein
Er schafft Raum für Fragen wie:
- Was trägt mich langfristig?
- Was entspricht meiner Haltung?
- Welche Entscheidungen stärken mich – statt mich zu erschöpfen?
Und vielleicht genau deshalb fühlt er sich nicht spektakulär an. Sondern wahr.
Fazit: Ich entscheide für mich – ein Satz, der trägt
Dieses Jahresmotto verspricht kein Feuerwerk. Es verspricht keine grossen Wendepunkte.
Es verspricht etwas anderes:
✨ Stimmigkeit
✨ innere Ordnung
✨ Respekt vor sich selbst
✨ mutige, ruhige Klarheit
Es ist ein Satz, der nicht laut wirkt, aber tief nachhallt:
Ich entscheide für mich.
Und ich bin gespannt, wohin dieser Weg führt.


