Juli, ein Monat zwischen Schachbrett und Schreibtisch, Kompassnadel und Koblenz.
Das Schuljahr abschliessen, ein bisschen aufräumen und dann losfahren. Das war der Plan. Eigentlich wollten wir nach Schweden. Rote Holzhäuser, klare Seen, Mittsommerlicht – das Haus in Björkhult war schon lange reserviert. Doch das Leben hatte wie so oft andere Ideen. Und so wurde aus einem skandinavischen Sommer ein deutscher Roadtrip. Und aus einem vollen Terminkalender ein Monat, der vieles in Bewegung brachte – im Aussen wie im Innen.
Schach im Klassenzimmer
In drei Doppellektionen habe ich acht Zweitklässler:innen das königliche Spiel nähergebracht – und dabei mehr gelernt, als ich je erwartet hätte.
Über Fairness, über Konzentration, über das Verlierenlernen. Und über die Freude, wenn plötzlich ein Matt sitzt, das gar nicht geplant war.
Was bleibt? Begeisterung, vor allem auch bei den Kindern. Und die Erkenntnis: Förderung geht auch mit Bauern und Türmen.

Das Elternbuch: aus dem Lektorat ins Herz
Anfang Juli schickte ich mein Elternhandbuch „Hochbegabt – und jetzt?“ ins Lektorat – bereits Ende des Monats erhielt ich es zurück. Die Fussnoten waren sauber, die Kommas klüger, die Zwischenüberschriften schärfer. Aber vor allem ist durch ein paar wenige Hinweise etwas Magisches passiert: Der Text atmet. Und ich auch, auf.
Es war ein besonderer Moment, das eigene Manuskript mit professioneller Feinschliff-Hand zurückzubekommen – wie ein Kind, das vom Sommercamp heimkommt, gewachsen, geerdet und voller Geschichten. Das heisst nicht, dass jetzt alles perfekt ist. So arbeitet Angela Zimmermann nicht. Sie gibt Hinweise. Dransetzen darf ich mich selber nochmals. Vor allem die Helvetismen, von denen es wohl einige hatte, bringen mich ins Schwitzen. Ich ringe um Worte. Sprachsport. Liegt mir mehr als Joggen.
Du willst wissen, wies mit meinem Buch weitergeht? Trage dich in die Vorfreudeliste ein und du erfährst, es als Erste:r.

Das Lehrerhandbuch: in guten Händen
Fast zeitgleich ist mein Lehrerhandbuch zu hochbegabten Kindern auf Reisen gegangen – allerdings nicht in den Druck, sondern zu den ersten Testlesenden.
Ich bin dankbar für diesen Schritt. Denn was ich mir wünsche, ist kein Buch, das „alles richtig macht“, sondern eines, das sich für Lehrpersonen richtig anfühlt: fundiert, bestärkend, alltagstauglich und mutmachend.
Die ersten Rückmeldungen trudeln ein – und sie sind so ermutigend wie ehrlich. Genau das brauche ich, denn ich möchte wirklich, dass das Buch gute Bildung auch im Bereich der Hochbegabung ermöglicht.
Statt Schweden: Sommer in Deutschland
Unsere Ferien führten uns – ungeplant, aber bereichernd – quer durch Deutschland.
Zwei Wochen, fünf Stationen:
– Bad Godesberg mit seiner leisen Rheinromantik.
Ich liebe das Rheinhotel Dreesen, wo wir auch Familienangehörige getroffen haben. Was für ein Zufall, dass auch meine Lektorin in diesem Ort wohnt, so konnten wir uns gerade mal persönlich beschnuppern!



– Herne, wo Vergangenheit auf Ruhrpottcharme trifft
Da kommt mein Partner her, da wohnen noch seine engsten Verwandten, mit denen wir natürlich viel Zeit verbracht haben, wenn wir nicht gerade in meiner Lieblingsbuchhandlung stöberten und Tee tranken.

– Koblenz, Seilbahn inklusive
Für mich die Entdeckung dieses Roadtrips. Wir hatten eine tolle Wohnung, sehr zentral und doch ruhig. Ich verliebte mich in die Italianità der Stadt, die übrigens super hundefreundlich ist. Natürlich waren wir auch auf der Burg oben, allerdings hat uns das Personal der Gondel den Trip ziemlich vergällt. Und das Deutsche Eck – na ja, die Stadt hat weit mehr zu bieten.





– Weikersheim, musikalisch barock
Ich war da 1990 mal, als wir eine Radtour entlang der romantischen Strasse unternommen haben. Verschwitzt und müde kamen wir damals auf dem Hauptplatz an und vor uns erstrahlte das hell erleuchtete Schloss. Rasputin, das Musical, wurde aufgeführt. Ich war geflasht. Und jetzt wollte ich überprüfen, was von meinen inneren Bildern noch da war. Nun ja. Immerhin wird das Schloss noch alle zwei Jahre als Kulisse für Musicals und dergleichen eingesetzt. Für die Fledermaus reichte allerdings unsere Zeit leider nicht.


– Ilmmünster, klangvoll klein
Eine praktische Ferienwohnung für fünf Tage, gebucht von meiner Schwägerin, die nahe wohnt. Chillig, grün, perfekt für den Hund. Wir genossen die Zeit mit Brigit, die wir viel zu selten sehen. Und natürlich habe ich im benachbarten Pfaffenhofen eine kleine, unabhängige Buchhandlung entdeckt: Wortreich. Ein absoluter Geheimtipp!
Es war kein typischer Erholungsurlaub. Aber ein Perspektivenwechsel. Und manchmal ist genau das die erholsamste Form von Reise.
100 Ideen gegen Ferienlangeweile
Langeweile in den Ferien? Ja bitte!
Denn sie ist der Humus für gute Ideen – wie meine Liste mit 100 kostenfreien Sommeraktivitäten für daheimgebliebene Kinder.
Ob Naturmandala, Kinderkonferenz oder Wolkenorakel: Die Rückmeldungen darauf haben mich sehr berührt. Danke an alle, die geteilt, ausprobiert, kommentiert haben. Wer die Liste noch möchte – klick oben auf den Link.
Moira, die mit der Sonne tanzt
Und dann war da noch Moira – das hochbegabte Mädchen aus meinem Kinderbuch, das mit Geige, Sehnsucht und Sprachwitz ihren Platz in einer neuen Welt sucht. Im Februar im Flieger nach La Gomera zur Welt gekommen, ist sie mein Lieblingsprojekt für zwischendurch.
Im Juli ist jetzt aber nicht nur das Exposé gereift, sondern auch die ersten Kapitel.
Moira wächst. Und ich mit ihr. Denn ein Belletristikbuch zu schreiben, ist etwas ganz anderes als ein Fachbuch zu entwickeln.

Grosse kleine Vorbilder
Ein Herzensprojekt im Juli war die Sammlung von zehn Kurzbiografien junger Menschen, die Besonderes bewirkt haben – leise, klug und oft fernab der Öffentlichkeit.
Vom syrischen Twitter-Mädchen über eine Brillen-Recycling-Initiative bis zur Limonadenunternehmerin mit Bienenmission:
Diese Geschichten zeigen, wie Wandel beginnt – nicht mit Macht, sondern mit Mut. Und genau das möchte ich auch meinen Schülerinnen und Schülern mitgeben. Ich freue mich, wenn ich sie ab Mitte August wieder ein Stück ihres Weges begleiten darf!



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